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Wie einem das Maul gewachsen ist

Wie einem das Maul gewachsen ist

Erschienen in…?

Mats Ciupka, Autor

Ein Artikel von Michael-Andre Werner 1

Wenn man Mats Ciupka zuh√∂rt, hat man immer wieder das Gef√ľhl, dass sich in
seinem Leben Kreise schlie√üen, dass Dinge wie nat√ľrlich zusammenkommen. Wie die Sache mit Kreuzberg. Mats Ciupka wohnt in Kreuzberg, mitten im alten SO 36, nur ein paar Ecken weiter wurde er einst ¬Ľgemacht¬ę, wie er sagt, gezeugt. Auf einem alten roten Kanapee. Dann verschlug es ihn in den
Norden Berlins, zur Schule gegangen ist er im M√§rkischen Viertel in die Bettina-von-Arnim¬≠Oberschule, nur einen Steinwurf vom Atrium entfernt. Berlinert hat er damals schon, oder eigentlich immer. So sehr, dass er im Abi Punktabzug bekam, zwei Noten schlechter, erinnert er sich. ¬ĽSo, wie einem das Maul ge¬≠wachsen ist, so, wie man spricht, so schreibt man auch.¬ę


Es ist ein altmodisches Berlinern, wie aus den goldenen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, das aus Mats rauskommt. Er berlinert beim Reden und auch beim Schrei­ben. Mats Ciupka ist ein Berliner Autor. Und Zimmermann. Ein Berliner Zimmermann muss berlinern.
Zwei Jahre nach seinem Abitur traf Mats seinen Schulfreund Axel wieder. Sie stellten schnell fest, dass sie beide schrieben, dass sie einen ähnlichen Humor hatten, und dass sie etwas zusammen machen wollten. Lesen. Auftreten. Da war der Weg ans Atrium nicht weit, wo Erhard Schwandt gerade den Lite­raturbereich des Hauses aufbaute. So wurde 1987 das Literaturcafe mit einer szenischen Lesung von Mats und Axel eröffnet. 1988 folgte die Lesung >Dinner for two<, 1989

Pickel verpflichtet< und 1992 traten sie dort zusammen mit Helmut Verdenhalven (der auch diese ersten beiden Ausgaben der

dem Namen Die Maulhelden mit >Wildes Ding -Ein WG-Musical< auf. Verdenhalven saß am Klavier und aus den szenischen
Lesungen war inzwischen ein abendf√ľllendes Programm mit Musik geworden. >¬ĽWildes Ding< war ein ziemlicher Erfolg, das haben wir wiederholt und die Presse war begeis¬≠tert und hat gedacht, wir w√§ren die gro√üen Schauspieler und w√ľrden so tun, als w√§ren wir keine.¬ę Geprobt und geschrieben wurde nach Feierabend und an Wochenenden.
Helmut studierte Jura, Mats machte seine Zimmermannslehre, Axel arbeitete bei der GEMA. Dann kam das Fernsehen auf das Trio zu -FAB und das ZDF, sie machten ein paar Sendungen, dann löste sich die Gruppe auf. Die jugendliche Naivität, wie Mats Ciupka es nennt, war weg, sie waren älter geworden, dachten zu viel nach. Und gingen schließlich getrennte Wege.

Mas erhielt e schrieb den weiter Blaise-Cendrars-und trat solo auf. 1994 [‚Ķ] Arno-chmidt-Stiftung. Er sStipendium der [‚Ķ] dete [‚Ķ] beide Erahlug mibenwald. >Magarete, Dort und erschien 1998 1997 >Engelchen,,seine [‚Ķ] fr andere, f√ľr Leute, wo ich denlattform auch [‚Ķ] 1nd uberneh_m gut und ich das das passt. Layout, Wenns damitnicht ke, die meins Texte ist

Verlag ein Guss wird. Ich geb meinen das aus Verlags-dem‘ [‚Ķ] namen Nebenheund kuck nat√ľrlich auf die Texte … ¬ę [‚Ķ] 1√ī‚ā¨¬Ā‚Ć √ī‚ā¨¬Ā‚Ä°kendorfer r Jugendfreizeitheim arbeitete Kultureinrichtung Mats Tietztin der Labsaal Reini-) und [‚Ķ] fr Jugndliche. Die Fotografie -iund Fotokurse [‚Ķ] nach Polen, er fotografierte am Edbeine. Er fuhr [‚Ķ] taz), machte vor allem interessieren ihn tos Menschen. an die Er [‚Ķ] a!s er Schwarzwei√ü-Portraits von Kinder [‚Ķ] Charlottme f√ľrs ZDF jobbte. Das Theater [‚Ķ] ler, gut un Sangerrnnen, sstellen dann wollte. kamen Kabarettisten, Er pl√∂tzlich wollte. v¬ĽDas Schauspie¬≠kam

Drittel, auf mich zu und fragten, ob i_ch icht Fotos von ihnen machen k√∂nnte, eil die Kinderfotos so gut angekommen sind. Na, dann hab ick dit jemacht, auch Freunde und so weiter fotografiert.¬ę

Und a hab wieder ich also schlie√üen Schauspieler sich Kreise. und . die, die . ‚[‚Ķ] werden wollen, fotografiert und. ar auch ’ne Frau, die gesagt hat: Hey, n Freund von mir ist bei ’ner Modelagentur, warum gibst du deine Fotos nicht ’ner Agentur. Ich bin dann hingegangen¬ę, erz√§hlt r er, offenbar aber anic

seinen Fotos hatte die Agentuelbst. r _wird ht [‚Ķ] so viel Interesse wie an ihm s- auf der Stelle engagiert und ¬Ľam nachsten Tag hatte ich schon meinen ersten TV-Sot. bsoluter Zufall, das erste Ding f√ľr Das war Coca-Cola ’n agemacht, da war _ich gerade den bei denen.¬ę Seitdem arb _ 1tet

[‚Ķ] einem Musical der fast schon l Truppe College of Hearts (aus der auch _ P1gor und Eichhorn und die Popette Betancor hervorgegangen sind) ging er auf Deutsch- lUnd dtour. √ľber den Labsaal kani er uf . Eine [‚Ķ] anZ
andere B√ľhne. J√∂rg Hensel, sein _iehvater, der dort t√§tig war, empfahl ihn dem Kaba¬≠rettisten Arnulf Rating weiter. Der sucte fur seine >Blauer-Montag<-Reihe immer Kunstler, besonders welche mit lokalem och Bezug, auch stehen [‚Ķ] die >Blauer-Montag<-Abende dtto.
immer unter einem Bezirks-MoUnd als der Reinickendorfer Ortsteil L√ľbars an der Reihe war, wurde Mats eingeladen und trat im Tempodrom auf. Ratings >Blauer barMonttt-Fest1vag< [‚Ķ] hat seine wurzeln in einem Ka l mit dem Namen >Maulhelden< -gib\ es da

[‚Ķ] auch Verbindungen? ¬ĽAlles Zufall¬ę, sagt Mats und muss lachen. ¬Ľ Das zeigt nur, dass unser Gesp√ľr f√ľr Namen schon immer gut war. Klingt jetzt arrogant. Die Maulhelden war schon irgendwas Protzerisches. Und andere haben das √ľbernommen. Da ist jetzt auch ’n Trio, hat mir Helmut gesagt, das sind auch drei Leute. Gut, wir w√ľrden uns nicht davor scheuen, wenn wir wieder anfangen w√ľrden, uns auch wieder so zu nennen, und w√ľrden drunter schreiben: Das Original.¬ę
Mats tritt gerne auf. Seit der Aufl√∂sung der Maulhelden auch immer mal wieder solo, zu¬≠erst mehrmals im Atrium, aber auch im Kaffee Burger oder bei >Dr. Seltsams Fr√ľhschoppen<. Dann zog er zwei Jahre lang jeden Winter durch die Berliner Cafes und hielt Winterle¬≠sungen unter dem Motto >Arschkalt<, das hat er auch wieder vor. ¬ĽWinter- und Weihnachts¬≠lesungen, auch f√ľr Kinder, in Cafes, also an Orten, wo wirklich Leben stattfindet und nicht in ’ner verstaubten Bibliothek.¬ę 1999 veranstaltete er zusammen mit seinem engen Freund Enno Bader Kochbuchlesungen, da lasen sie zusammen Texte und Rezepte aus historischen Kochb√ľchern.
Vor einiger Zeit hat er f√ľr sich, seine Freundin Lina und seine beiden Kinder Emil und Emma ein Fachwerkhaus in der Uckermark gekauft, das saniert er jetzt nach und nach, wenn er Zeit hat. Auf dem Grundst√ľck stehen zwei

alte Bauwagen, die hat er sich zum s7hlaf¬≠zimmer und zur K√ľche umgebaut. Seme Schreibstube, nennt er das, da sitzt er dann abends, wenn er am Haus nichts machen kann und schreibt. ¬ĽZwei H√§user weiter ist ’n √úbersetzer, der schreibt unheimlich gute politische Essays.¬ę Mit dem trifft er sich manchmal im Winter, dann werden, sagt Mats Ciupka, ¬ĽBuchprojekte bequatscht. Aber da m√∂chte ich mich nicht rauslehnen aus’m Fenster und Namen nennen, das soll ’ne √úberraschung sein.¬ę

Michael-Andre Werner